Montag, 4. September 2006

83 - und zwei Putzstellen

(Veröffentlicht in: „Das Blättchen“, Nr. 18, 4. September 2006)

Wie weit geht es in Deutschland bergab? – Bis zum Tiefsten Punkt der Bundesrepublik. Dieser liegt 2,2 m unter dem Meeresspiegel und befindet sich im sogenannten Freepsumer Meer, westlich des Dorfes Freepsum, das heute zur Gemeinde Krummhörn in Ostfriesland gehört. Die Hafenkrähne der Stadt Emden sieht man von hier aus in der Ferne gerade noch ebenso wie die Hallen der VW-Werke, in denen manch Einheimischer schon wieder vor drohenden Entlassungen bangt.

Donnerstag, 10. August 2006

Amerikas Geniestreich

(Erschienen in: „Junge Welt“, 10. August 2006 unter der Überschrift „Währung ohne Basis“, übernommen von weiteren Zeitungen und Internet-Redaktionen.)

Was würden Sie, liebe Leser, denken geschweige denn tun, käme jemand daher und lüde Sie ein, in wenigen Tagen gemeinsam des 35. Jahrestages der Weltrevolution zu gedenken? Das Wenigste wäre wohl die bekannte Bewegung mit dem Zeigefinger an den Kopf.

Und dennoch: Als der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Nixon, am 15. August 1971 das Abkommen von Bretton Woods aus dem Jahre 1944 einseitig aufkündigte und in seiner sonntäglichen Fernsehansprache der verblüfften Welt mitteilte, die USA würden ihrer ehemals übernommenen Verpflichtung, je 35 US-Dollar gegen eine Feinunze Gold einzutauschen, fürderhin nicht mehr nachkommen (was bis dahin alle "Experten" der Finanzwelt für unmöglich gehalten hatten), da vollzog er mit einem Federstrich, ohne einen einzigen Schuss abzugeben und ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, was Karl Marx rund 100 Jahre zuvor als die revolutionäre Aktion des internationalen Proletariats prognostiziert hatte.

Dienstag, 2. Mai 2006

Kurzsichtigkeit von vorgestern

(Erschienen in „Das Blättchen“, Nr. 9, 2. Mai 2006)

Die Landtagswahlen in drei Bundesländern sind vorbei, und nun kann wieder Klartext geredet, der Abbau des Sozialstaats beschleunigt und auf breiter Front vollzogen werden. Und dafür gibt es – die Wahlergebnisse zeigten es – ein erstaunlich breites öffentliches Verständnis.

Montag, 6. März 2006

Wohin ich auch schaue - Illusionen!

(In: „Das Blättchen“, Nr. 05, 6. März 2006)An die "soziale Gerechtigkeit" glaubt man wie an eine Religion, bei der die einen überzeugt sind, der Messias sei schon gekommen, während die anderen noch auf ihn warten. So dass sich nun Katholiken wie Angehörige anderer Konfessionen und Religionen, aber auch Atheisten von Papst Benedikt XVI. vertreten fühlen können, der zu Beginn des Jahres 2006 in seiner auf die sozialen Probleme der Gegenwart abzielenden Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist Liebe) darauf hinwies, „dass sich die Frage nach der gerechten Struktur der Gesellschaft in neuer Weise“ stellt.
Deutschland – ein Land der Dichter und Denker? Das scheint es einmal gewesen zu sein. Heute wird nur noch geglaubt und gehofft. Jedenfalls was den ganzen politischen und sozialen Bereich anbelangt.

Montag, 20. Februar 2006

Herrn Dennis Snowers Umwälzung der Weltwirtschaft

(Erschienen in: „Das Blättchen“, Nr.4, 20. Februar 2006)

Ich rede ihn mit „Herr“ statt „Mister“ an, obwohl er Amerikaner ist. Denn erstens klingt das gut, weil es an Friedrich Engels` Polemik gegen Eugen Dühring erinnert, und zweitens lebt Snower zurzeit in Deutschland, wo er in Kiel seit geraumer Zeit das namhafte Institut für Weltwirtschaft leitet. Warum er ausgerechnet in dieser Funktion kürzlich einer nicht weniger bekannten Tageszeitung aus Frankfurt (FAZ 20.01.06) ein Interview zum Thema „Kombilohn“ gab, erkläre ich mir damit, dass er die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit – wozu diese Lohnform beitragen soll – richtigerweise als ein weltweites Problem und insofern als einen Aspekt der Weltwirtschaft ansieht. Interessanter als dieser oder vielleicht andere Gründe für seine Einmischung in die deutsch-nationale Diskussion um „richtige“ Lohnformen sind seine Auslassungen zur Sache selbst.

Montag, 23. Januar 2006

Zu eng gedacht

(Erschienen in: „Das Blättchen“ Nr. 2, 23. Januar 2006)Lohnzuwachsraten bis zu 25 Prozent? In einer Welt, die den Wert von Produkten nicht mehr auf einem anonymen Warenmarkt ermittelt, um den geschaffenen Neuwert dann in Lohn und Profit zu teilen, sondern in der für einen weitgehend gestalteten Markt die Preise der Güter über die Kosten kalkuliert werden, sind die höheren Löhne von morgen die höheren Preise von übermorgen.

Freitag, 10. Juni 2005

Warum ein bedingungsloses Ja zur linken Einheit?

(erschienen in: „Neues Deutschland“, 10. Juni 2005, S. 15)

Bereits seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts leben die Industrieländer in einer veränderten Welt, deren ökonomische Grundbeziehung nicht mehr der Austausch von Waren ist.