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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Finanzkrise und Rechtsstaat

(Erschienen in: "Das Blättchen", Nr. 14/2009)

Eine gelungene Veranstaltung in der Langen Nacht der Wissenschaften:

Ökonomie – eine Wissenschaft vom Irrationalen?

Kommentar zu einem Interview von Peter Sloterdijk in der Neuen Zürcher Zeitung (29. 11. 2008) - Von der Online-Redaktion der NZZ nicht ins Net gestellt!

Eine schöne Sprache und etliche interessante Gedanken! Als in der DDR ausgebildeter Volkswirt muss ich aber Ihnen, Herr Sloterdijk, wie auch einigen Kommentatoren in Einem widersprechen: Man muss nicht, wie Sie meinen, „die Wirtschaftswissenschaften als Wissenschaften vom Irrationalen rekonstruieren“, sondern, im Gegenteil, überhaupt erst von ihrem Irrationalismus, den sie als „bürgerliche“, nach-marxsche Wissenschaften an den Tag legten, befreien!

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Krise der Banken - Krise der Wissenschaft

(Erschienen in: Vorwärts.de, 28. 10. 2008)

Nachdem die Finanzmärkte in die Krise gerieten, werden die Schuldigen gesucht. Die Regierung macht sie im Management einiger Banken aus, Oppositionspolitiker haben auch diejenigen im Visier, die mit ihrer Gesetzgebung eine ungezügelte Spekulation erst ermöglichten. Was sie selber alle taten oder in verantwortlicher Position getan hätten, wird kaum hinterfragt. Auch Professoren, zum Beispiel an der Universität Potsdam, gehen nicht in sich, sondern stellen vor den Studenten und der interessierten Öffentlichkeit als erstes klar, nicht das System stecke in der Krise, sondern einzelne Banker hätten unverantwortlich, teils kriminell gehandelt.

Dienstag, 22. Oktober 2002

Von der DDR-Wirtschaftswissenschaft verkannt

Marx' Auseinandersetzung mit der Tauschbank und dem Stundenzettel der Saint-Simonisten sowie seine Kritik des Gothaer Programms

(erschienen in "DeutschlandArchiv", Zeitschrift für das vereinigte Deutschland, Heft 5/2002)

Eines der grundlegenden Postulate sozialistischer Wirtschaftstheorie in der DDR und den anderen Ländern des Realsozialismus war die These von der sozialistischen Warenproduktion, wonach die Beziehungen zwischen den volkseigenen Betrieben wie überhaupt die Beziehungen zwischen den selbständigen Wirtschaftseinheiten, also auch den genossenschaftlichen und privaten Betrieben, den Charakter sozialistischer, weil planmäßig gestalteter, Warenbeziehungen haben sollten.

Wohl wissend, daß Marx und Engels in dieser Frage ganz anderer Auffassung waren, wurde behauptet - so nicht nur die damalige offizielle Lehrmeinung, sondern die Darstellungen in der gesamten sozialistischen Wirtschaftsliteratur -, die "Klassiker" hätten sich in dieser wichtigen Frage geirrt, hätten die Praxis nicht voraussehen können. Dies war um so weniger zu verstehen, als ja Karl Marx in seinen Grundrissen der Kritik der Politischen Ökonomie, in der Auseinandersetzung mit den Saint-Simonisten und der von ihnen vorgeschlagenen Tauschbank, ein Wirtschaftssystem als Konsequenz jener utopischen Vorstellungen karikierte, welches bei kritischer Betrachtung der Realität genau dem entsprach, was in den Ländern des Sozialismus nicht nur gelehrt, sondern auch praktiziert wurde, wie die folgenden Auszüge leicht erkennen lassen: