von Heerke Hummel
Im
Blättchen, Ausgabe 2/2014, hat Ulrich Busch über das Geld in der heutigen Gesellschaft geschrieben („
Geld: NICHTS, geschöpft aus NICHTS“).
Um die „Natur“ des Geldes zu beleuchten, beruft er sich auf Karl Marx.
Für den sei „Geld ein ‚gesellschaftliches Verhältnis‘, das sich in Form
eines ‚Dings‘ kristallisiert, also ein ‚unter dinglicher Hülle
verstecktes Verhältnis‘“. Löse man diese Begriffsbestimmung auf, so
stellten sich zwei Fragen: die nach dem Charakter der „Verhältnisse“ und
die nach der Beschaffenheit des „Dings“, worin sich die Verhältnisse
kristallisierten.
Die Antwort auf die erste Frage verweise auf Warenproduktion,
Arbeitsteilung und Privateigentum – und damit auf relativ
allgemeingültige Aspekte der gesellschaftlichen Produktion. Folglich
komme Geld in den unterschiedlichsten Produktionsweisen vor. Die zweite
Frage dagegen sei problematisch. Busch: „Marx selbst beantwortete sie
mit einem Diktum, wonach Geld von Natur aus ‚Gold und Silber‘ sei und
selbst in entwickelter Gestalt, als Kreditgeld, ‚der Natur der Sache
nach‘
nie von seiner metallenen Unterlage loskommen kann. Diese
Aussage gilt, wie das ganze Marxsche System, selbstredend nicht
außerhalb von Zeit und Raum, sondern, wofür sie formuliert wurde, für
den klassischen Kapitalismus in Europa und Nordamerika und für die Zeit
des Goldstandards.
Mit der Demonetisierung des Goldes aber, welche genau vor 100 Jahren
1914 begann und mit der Aufhebung der Bindung des US-Dollars an das Gold
1971 endete, büßte sie ihre Gültigkeit ein. Der Wert des Geldes hängt
seitdem nicht mehr vom Gold ab, und das Gold zählt seitdem nicht mehr
als Geld.“
Dem ist im Wesentlichen zuzustimmen. Aber das bedeutet doch zugleich, in Bezug auf Buschs erste Frage, dass wir es mit
ganz neuen
gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun haben, die nicht mehr durch
private Warenproduktion und Geld im ursprünglichen, Marxschen Sinne
gekennzeichnet sind, sondern durch ein neuartiges, staatlich über die
Zentralbank garantiertes Vertrauensverhältnis nur noch so genannter
„privater“ Produzenten! Zu dieser Schlussfolgerung ist Busch nicht
gekommen. Er fährt vielmehr fort:
„Folglich ist das umlaufende
bare und unbare Geld auch kein Stellvertreter des Goldes mehr, wie Marx
es noch sah und wie es für das 19. Jahrhundert tatsächlich zutraf,
sondern selbst Geld. Aber worin besteht jetzt seine Substanz, sein
Wert?“
Abgesehen von der eigenartigen Feststellung, Geld sei durch die
Aufhebung des Goldstandards selbst Geld geworden; einleitend hatte Busch
ja noch nach des Geldes Wesen und Begriff als der „Grundfrage all
dieser Vorgänge und komplizierten Verknüpfungen“ im Finanzsystem
gefragt. Hier wäre nun zu zeigen gewesen, dass sich das Wesen des Geldes
gründlich verändert hat: Aus einem „allgemeinen Äquivalent“, einer
„allgemeinen Ware“ (Begriffe bei Marx) ist ein Arbeitszertifikat
geworden.
Für Busch dagegen ist „Geld […] selbst Geld“ geworden, und er fragt
anstatt nach dessen Wesen nach seiner „Substanz“. Diese sei ein
„Nichts“, und „die knappheitstheoretisch fundierte keynesianische
Theorie“ erlaube, „das Geld als ‚Nicht-Gut‘ zu begreifen“. Müsste die
Frage nicht lauten: Was hat dieses neue, vom Gold völlig unabhängige
Geld nun, im einundzwanzigsten Jahrhundert, mit der Arbeit als dem Wert
bildenden Element der gesellschaftlichen Produktion zu tun?