Von
Heerke Hummel
(Erschienen in: „Sozialismus“, Heft Nr. 12, Dezember
2017, Supplement „Die Oktoberrevolution 1917 und die Folgen“)
Anlässlich des hundertsten Jahrestages der russischen
Großen Sozialistischen Oktoberrevolution fehlte es nicht an Versuchen, die
geschichtliche Bedeutung dieses herausragenden Ereignisses zu kommentieren.
Viele würdigten es als den großen Versuch russisch-bolschewistischer
Sozialdemokraten, die Gesellschaftstheorie von Karl Marx und Friedrich Engels
in die Praxis umzusetzen. Andere arbeiteten besonders dasjenige heraus, was in
der Folge als Verbrechen des Stalinismus und Verletzung der Menschenrechte in
die Geschichte einging und vermeintlich zur politischen Polarisierung der Welt
führte. Und wieder andere mochten die Ironie der Geschichte im Auge gehabt
haben. Denn schlussendlich seien ja alle Opfer, die der Ost-West Konflikt der
Menschheit abverlangte, umsonst gewesen. Der Kapitalismus, dessen Überwindung
mit der von den Bolschewiki Russlands am 7. November (nach unserem Kalender)
1917
begonnenen Revolution eingeleitet werden
sollte, sei heute so mächtig und weltumspannend wie nie zuvor. Die Kommunisten
Russlands und Chinas seien von selbst in den Schoß des Kapitalismus
zurückgekehrt.
Ja, so oder so und auch so kann man die zehn Tage, die,
wie John Heartfield schrieb, die Welt erschütterten, je nach eigener
Lebenserfahrung, Bildung und Erziehung im weitesten Sinne ansehen. Hier
allerdings soll gerade deutlich gemacht werden, dass und warum sowohl einerseits
Jubel über den Sieg des Kapitalismus im Ost-West-Konflikt als auch andererseits
Wehmut über die vermeintliche Niederlage des Realsozialismus unangebracht sind.
Denn diese Wehmut wie jener Jubel verkennt wohl das Wesen dessen, was sich in
den letzten hundert Jahren ereignet hat.