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Freitag, 22. Oktober 2010

Bewusstseinskrise

(Erschienen in: Das Blättchen, Nr. 12/2010)

Eine Krise jagt die andere durch die Medien. Der Bankenkrise folgte die Schuldenfalle der Staaten und dieser der Absturz des Euros. Welche Krise wird als nächste Schlagzeilen machen? Irgendwann sicherlich die Bewusstseinskrise der Gesellschaft. Denn in der stecken wir schon lange. Da streiten sich Amerikaner und Europäer über die geeigneten Maßnahmen zur Stabilisierung des internationalen Finanzsystems, in Kürze wieder auf dem G20-Gipfel in Toronto (immerhin bemüht man sich ja wenigstens schon um gemeinsame finanzpolitische Lösungen!). Die Ursache des Streits: Die gegensätzlichen partikularen Interessen von Akteuren im Weltwirtschafts- und Weltfinanzsystem, die weder willens noch in der Lage sind, sich selbst als Teil dieser einen, widerspruchsvollen Welt zu verstehen und alle anderen nicht als Gegner, sondern als Partner. Das würde nämlich bedeuten, die Interessen der Weltgemeinschaft als ganze auch als die eigenen wesentlichen Interessen anzusehen, zu vertreten und gezielt durchzusetzen, anstatt dies dem Kampf auf dem Markt der Waren, des Geldes und der Finanzpapiere, also dem Kapital zu überlassen.